Road to Le Mans

Es ist eines der berühmtesten und schwierigsten Rennen der Welt. Das hundertjährige Jubiläum des Rennens und eine Geschichte, die beweist, dass nichts unmöglich ist. Road to Le Mans ist eine Serie des Senders Eurosport, die die Wege und Erlebnisse der Menschen, Automarken und Legenden dieses berühmten Rennens aufzeigt.


Le Mans Minor

Ich erzähle Ihnen meine Road to Le Mans.

Im Jahr 2022 wurde ich von einer Gruppe von Enthusiasten angesprochen, die einen Aero Minor von 1949 besitzen. In diesem Jahr nahmen sie zum ersten Mal an dem Rennen teil, konnten es aber nicht beenden. Sie fragten mich, ob ich nicht dieses Projekt übernehmen könnte, und luden mich zu einem Track Day auf dem Autodrom in Most ein.

Mit meiner Grundausrüstung ausgestattet machte ich mich auf den Weg. Schon dort wurde mir klar, dass dieser silberne Flitzer seine Macken und Tücken hat, eigentlich war es ein Disaster. Der Minor stellte sich stur und wollte nicht fahren. Die Rennfahrer verloren nicht ihren Humor und versicherten mir, dass alles in Ordnung sei. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen und drohte, Dank Unkenntnis des Rennwages unter zu gehen. Nichtsdestotrotz einigten wir uns jedoch und das war der Beginn meiner eigenen Road to Le Mans.



LeMans Minor

Die Aufgabe war klar: den Minor in weniger als einem Jahr für sein hundertjähriges Jubiläum vorzubereiten. Der Minor brauchte sehr viel Liebe und Pflege. Während ich an ihm arbeitete, lernte ich gleichzeitig, was zu tun war. Die Jungs vom Minor-Service haben mir sehr geholfen. Ohne sie hätte ich diese Aufgabe nie gemeistert. Sie gaben mir nicht nur wertvolle Ratschläge, sondern waren auch bereit, mich mit eigenen Ersatzteilen aus Serien-Minors zu versorgen.

Bei jedem Test fiel wortwörtlich etwas auseinander. Es ist sehr schwierig, dieses tschechoslowakische Juwel, welches durch das Gewinnen seiner Klasse im Jahre 1949 buchstäblich in die Geschichte des Rennens eingegangen ist, zu hegen und zu pflegen.

Die Probleme kulminierten bei den Langzeittests, als der Motor beim Öffnen der Boxengasse zwar lief, aber kein einziger Gang eingelegt werden konnte. Aufgeben kam nicht in Frage, der Ersatzmotor, den ich dabei hatte, wurde in weniger als einer Stunde ausgetauscht und der Minor flog wieder über die Strecke.



Le Mans Minor

Und dann noch das, kurz vor der Abreise nach Frankreich fiel das Getriebe aus, nichts ging mehr! Ich arbeitete die ganze Nacht, um 6 Uhr morgens war das Getriebe wieder zusammengebaut.

Ausser einiger Ausnahmen stand ich während der gesamten Vorbereitungszeit regelmässig um 3 Uhr morgens auf, wobei ich nicht selten auch bis spät in die Nacht am Auto schrauben musste. Das einzige Ziel war es, den Minor so vorzubereiten, dass er das Rennen in Le Mans beenden konnte. Niemals aufzugeben, auch wenn es manchmal ziemlich anstrengend war. Ich wollte und durfte auch meine Familie dabei haben, so konnten sie alles sehen und ebenfalls die Atmosphäre des Rennens mit aufsaugen.

Ich hatte jede Menge Werkzeug und Ersatzteile dabei, im Prinzip fast alles, und was ich nicht hatte, plante ich fest entschlossen durch irgendetwas zu ersetzen, nur damit das Auto lief und ich das Rennen zu Ende fahren konnte.



Le Mans Minor

Allein schon die Fahrt nach Le Mans mit dem Auto auf dem Anhänger wäre eine eigene,lange Geschichte wert. Gleich am zweiten Tag der Reise hat mich etwas Giftiges in den Fuß gebissen, er schwoll am Knöchel enorm an. Trotzdem musste ich das komplette Rennen damit durchstehen, kam aber nicht umhin am späten Samstagabend im Medical Center zu landen. Dort wurde mir neben Antibiotika auch die Information mitgeteilt, dass mich wohl eine Spinne gebissen hatte.

Dann die Ankunft auf dem legendären Campingplatz der Rennfahrer, und das zum 100-jährigen Jubiläum. Es sind wohl alle Schätze aus der Geschichte des Rennsports angereist, es wirkt wie die Olympiade des Motorsports mit grandiosen Feierlichkeiten. Aber irgendwie wird einem immer noch nicht bewusst, dass etwas Großartiges bevorsteht. Allein schon die Strecke. Eine härtere Prüfung für das Auto und dessen Ausdauer ist kaum vorstellbar. Davon habe ich mich selbst überzeugt.

Ich war mein eigener Mechaniker. Im Vergleich zu den anderen Teams und Besatzungen ein absoluter Sonderfall. Als mein Vater anreiste, warf er seine Tasche zur Seite und begann mir sofort zu helfen, da er mich damit nicht allein lassen konnte. Mein Bein schwoll zudem wieder immer mehr an und begann in allen möglichen Farben zu schillern. Aber auch das konnte mich nicht aufhalten.



Le Mans Minor

Die Fahrzeugabnahme vor dem Rennen verlief ohne Komplikationen. Im Grunde kennt keiner der FIA-Kommissare den Aero Minor und ahnt auch nicht, dass es sich um einen Zweitakter handelt.

Am selben Tag hatte ich mitbekommen, dass die gesamte Elektrik eines Saab 93 b eines Mitstreiters durchgebrannt ist. Als ich davon hörte, rannte ich zum Depot und ging zu den Mechanikern. Ich bot ihnen alle meine Drähte, Kabel und Ersatzteile, die ihnen nützlich sein konnten um das Auto zu reparieren an. Mit der Gelassenheit eines Engländers bedankten sich die Mechaniker bei mir. Für das Rennen haben sie den Saab wieder flott gemacht.



Le Mans Minor

Es war soweit. Die erste Fahrt ist gleichzeitig die Qualifikation für das Rennen. Um diese zu bestehen, muss das Rennauto eine gemessene Rennrunde absolvieren. Das Auto kommt für den obligatorischen Stopp in die Boxengasse. Ich öffne die Motorhaube und siehe da, der Dynamo liegt lose auf den Kabeln im Radkasten. Die Vibrationen des Autos auf der Strecke sind enorm, was einem Praxisbelastungstest der Technik gleichkommt. Ich setze alles schnell wieder zusammen und schicke den Minor zurück auf die Strecke. Mein Zustand lässt sich mit einem Wort beschreiben – Trance. Ich starre buchstäblich wie hypnotisiert auf den Bildschirm, wo ich die Position unseres Fahrzeugs auf der Live-Zeitmessung verfolge. Nummer 58. Genau wie im Jahre 1949.

Wir haben uns qualifiziert! Nach der Fahrt meldet der Pilot, dass der vierte Gang nicht schaltet.

Das bedeutet eine erneute Rückkehr in die Box. Ich komme mir vor wie in einem Traum, genauso wie damals, als mein Vater mich zum ersten Mal auf Rallys und mit in die Servicezone nahm, wo Mechaniker auf einem Stück Plastikplane liegend an den Autos ihrer Fahrer arbeiteten. Ich habe ständig Tränen in den Augen und muss mich immer wieder vergewissern, dass dies wirklich geschieht und ich auf der bekanntesten Rennstrecke der Welt bin.

Nach dem ersten Training kamen die Teams in die Box und alle, wirklich alle, fingen an, an den Autos zu schrauben. Bei jedem war etwas kaputt, jeder hatte ein Problem. Ich musste das gesamte System – Motor und Getriebe – austauschen. Wir hatten relativ viel Zeit, also machten wir uns mit Hilfe meines Vaters an die Arbeit. Es wurde eine gründliche Überholung durchgeführt. Die Strecke ist absolut tödlich für alte Fahrzeuge.

Fertig, ausgetauscht. In der Box wurden Motor und Getriebe auf dem Wagenheber getestet, alles in Ordnung.



Le Mans Minor

Das freie Training verlief ohne Probleme, nur die Zündkappe fiel vom Auto ab. Ich ersetzte sie durch eine Ersatzkappe und verstärkte sie mit Isolierband.

Die heimischen Rennfahrer, die neben uns in der Werkstatt standen, hatten ein Problem mit der Kupplung und kamen zu mir, ob ich nicht zufällig ein bestimmtes Teil für sie hätte. Um unsere Kommunikationsschwierigkeit zu überbrücken, skizzierten sie auf ein Stück Papier das benötigte Ersatzteil. Ein Sicherungssplint. Endlich verstand ich! Ich bot ihnen an so viele zu nehmen, wieviele sie brauchten, aber ein Splint war genug. Das hat ihnen das Rennen gerettet und mir eine nette Begegnung mit tollen älteren Herren aus Frankreich beschert.

Die Ruhe vor dem Sturm. Die erste Rennfahrt verlief relativ ruhig. Die Fahrer beeindruckten durch eine famose Fahrt und kämpften sich durch das Feld nach vorne. Mit einem der schwächsten Autos in der Startaufstellung war das gar nicht so einfach. Hier entscheidet jedoch die Umrechnungsformel über das Ergebnis, das heißt, das schnellste Fahrzeug muss nicht unbedingt auch das Siegerauto sein, was zu noch mehr Spannung und Interesse am Rennen beiträgt.



Le Mans Minor

Nach der Ankunft haben die Freunde von nebenan Probleme mit ihrem Talbot Lago der einst Juan Manuel Fangio gehört hat. Sie haben mir jedes Mal geholfen, wenn der Minor beim Testen in Most kaputt gegangen ist. Jetzt ist es an der Zeit, meine Schuld zu begleichen. Ich renne mit dem ganzen Werkzeugwagen zu ihnen und sage: „Jungs, ich habe alles dabei, was braucht ihr?“ Diagnose: defekte Zylinderkopfdichtung. Die Zeit drängt, wir arbeiten mit vollem Einsatz, der auch belohnt wird. Es hat 10 Minuten länger gedauert, aber die Jungs können weiterfahren. Doch der Zylinderkopf hielt leider erneut der Belastung nicht stand und sie erreichten das Ziel des Rennens nicht, aber niemand wollte vorzeitig aufgeben.

Das zweite Rennen fand bei Nacht statt und dazu hat es angefangen zu regnen. Der Fahrer meldet beim Wechsel, dass es schmierig sei und er ins Schleudern gekommen ist. Es ist ein Wunder, dass der Minor noch ganz ist. Beim letzten Wechsel scheint die Kupplung zu rutschen. Die Nachtfahrt endet sehr spät und bis zur letzten Rennfahrt bleibt nicht mehr viel Zeit.

Ich schicke den Fahrer schlafen. Es bleibt nicht genug Zeit, um die Kupplung auszutauschen. Mein Vater unterstützt mich in der Box eher durch seine Anwesenheit und schläft vor Erschöpfung im Sessel ein. Ich versuche der Kupplung zumindest ein wenig mit Bremsenentfetter zu helfen. Ob das einen positiven Effekt hat, weiß nur Gott. Für einen Moment schlafe ich auf dem Boden neben dem Auto ein. Um 6 Uhr morgens muss ich den Minor schon für seine letzte Fahrt vorbereiten, da es sehr früh weiter geht. Bis jetzt hat der Minor durchgehalten. Das Ende des Rennens ist so nah und doch so fern.



Le Mans Minor

Die letzte Fahrt wird entscheidend sein. Wird die Kupplung bis zum Ziel durchhalten? Die erste gemessene Runde wird unsere schnellste gemessene Runde des gesamten Wochenendes. Erleichterung breitet sich aus, der Minor funktioniert und fliegt nur so dahin. Der letzte Fahrerwechsel steht an. Wir flüstern ihm ins Ohr, dass er es sicher ins Ziel schaffen wird, er soll nur kein Risiko eingehen. Gesagt, getan. Und dann ist soweit! Ein Wunder ist geschehen. Ich weine vor Glück, das ganze Team ist begeistert, das Unmögliche ist gelungen. Wir sind die beste tschechische Mannschaft und gleichzeitig die einzigen Tschechen, die das komplette Rennen beendet haben.

Die Emotionen sind nicht zu bremsen, es ist wirklich ein Traum, der wahr geworden ist. Wir haben es geschafft. Der Minor hat durchgehalten. Ich schreibe das nur dem Glück zu, das den Vorbereiteten hold war. Ich war bereit, alles zu tun, um das Ziel zu erreichen. Sowohl in der Vorbereitung als auch während des Rennens. Das bestätigte sich etwa einen Monat nach dem Rennen, als zwei wichtige Komponenten buchstäblich auseinanderfielen. Der Anlasser und der Hauptbremszylinder. Ein Wunder. Sie sind erst hinter der Ziellinie kaputt gegangen.

Road to Le Mans zeigt, dass manchmal nichts unmöglich ist. Wenn man etwas wirklich will und es verfolgt, dann erreicht man es auch. Wenn man seine Arbeit ehrlich macht, schätzen die Leute das und es kann sein, dass sich eine Gelegenheit ergibt, von der man schon als Kind geträumt hat, weil man von Kopf bis Fuß vom Motorsport infiziert ist.



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